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Bilder aus Knete


Die Hauptvoraussetzung für ein erfolgreiches Lernen ist die Orientierung und die Beherrschung verwirrender Symbole und Begriffe. Das Davis® Orientierungs-Training ermöglicht eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung, so dass diese mit der realen Welt übereinstimmt. Dadurch wird ein neuer Zugang zum Erlernen der Kulturtechniken möglich.

Nun gilt es, die Auslöser zu finden, die Verwirrung bzw. Desorientierungen hervorrufen und so den Prozess des kontinuierlichen Lernens stören. An erster Stelle stehen dabei die Worte, die kein mentales Bild haben. Sie erzeugen bei Bilddenkern (zu denen die meisten Legastheniker zählen) in der Vorstellung einen blinden Fleck – ein „black out“. Andererseits gehören diese kleinen bildlosen Worte zu den meist benutzten Wörtern in der deutschen Sprache, ebenso wie auch im Englischen oder im Französischen. Der Auszug aus einem Kinderbuch zeigt dies deutlich:


Es war, als ob ein besonderer Segen auf seiner Arbeit ruhte; der schien von einem kleinen grauen Männchen herzukommen, welches sich jeden Tag an dem See sehen ließ und in dem Kahne und an den Netzen herum sprang, als ob es den Fisch locke.“
(aus: „Der Fischerssohn“)

27 der insgesamt 43 Worte sind bildlos gegenüber 17 Worten, die gut oder wenigstens annähernd gut vorstellbar sind!

Wie können diese kleinen bildlosen Worte ein sicheres mentales Bild bekommen? Indem ein reales Bild für jedes dieser Worte in Form einer Bildgeschichte hergestellt wird!

Für einen phantasiebegabten Menschen ist dies kein Problem: Er wird zum Erfinder, hilfreich ist dabei die entsprechende Definition des Wortes – sie ist in jedem Bedeutungswörterbuch zu finden. R. Davis hat diesen Weg als eine sichere Möglichkeit entwickelt und erprobt, mit kleinen bildlosen Worten Freundschaft zu schließen.

Dazu einige Beispiele:

Das kleine Wörtchen von kann in drei verschiedenen Bedeutungen benutzt werden. Alle drei haben kein mentales Bild, aber man kann sich mit etwas Phantasie eine Geschichte ausdenken, in der von in einer bestimmten Weise benutzt wird.

Die drei möglichen Definitionen lauten:

1. von: zeigt den Ort oder Zeitpunkt, an dem etwas beginnt.

2. von: zeigt die Zugehörigkeit oder die besondere Beziehung, die jemand oder etwas zu jemandem oder etwas hat.

3. von: zeigt ein Ganzes, bei dem ein Teil genannt wird.



Auch für das Wort vor gibt es verschiedene Bedeutungsmöglichkeiten. Hier zwei Beispiele davon:

1. vor zeigt, dass etwas oder jemand sich an der Vorderseite von etwas oder jemandem anders befindet.
Der Hirsch steht vor dem Baum.

2. vor zeigt das, was früher als etwas anderes passiert oder stattfindet.
Vor einem Jahr konnte Moritz noch nicht laufen, und ich musste ihn im Kinderwagen schieben!


Es ist dabei nicht zwingend notwendig, für alle möglichen Bedeutungen eines Wortes ein Bild zu kreieren.

Die Beispiele für die kleinen Bildgeschichten denkt sich jeder Klient selbst aus. Sie können frei erfunden sein, aber auch dem konkreten Lebensumfeld entspringen.



Das Wort für hat nur eine Bedeutung:

für: zeigt den Zweck oder das Ziel von etwas.
Kannst du bitte etwas Futter für die Katze holen.


Es dürfen auch lustige Situationen erfunden werden. Wichtig ist vor allem, dass sich der betreffende Erfinder mit seiner Geschichte wohl fühlt und sie für ihn das jeweilige Wort zweifelsfrei darstellt.



während: zeigt, dass etwas im gleichen Zeitraum wie etwas anderes stattfindet.
Während sie Ball spielten, hat er unaufhörlich gegessen!



Es gibt aber auch Worte, die durch eine ähnliche Schreibweise verwirren und von Lese- bzw. Schreibanfängern leicht verwechselt werden. Sie können durch die Aussprache und durch den Kontext unterschieden werden.

Hierzu ein Beispiel: Wen? und wenn

Wen? (4.Fall – Akkusativ von Wer?)
Sucht eine oder mehrere Personen mit einer bestimmten Eigenschaft.

aber

Wenn
zeigt die Voraussetzung oder die Bedingung für etwas.

Ich brauche unbedingt einen Babysitter!
Wen könnte ich nur fragen?


Wenn ich Clara jetzt spazieren fahre, dann schläft sie nachher umso besser!

Der Beispielsatz hilft dabei zu erkennen, ob die Geschichte vollständig im Bild zu sehen ist.



hier: zeigt den Ort / Stelle der Person, die „hier“ spricht / sagt.
Ihr könnt meinetwegen hier Fußballspielen!



ihr: bedeutet zwei oder mehrere angesprochene und dem Sprecher vertraute Personen.
Eine Stunde dürft ihr noch Ball spielen, dann gibt es Essen!


So entstehen während einer Beratungswoche die verschiedensten Bilder, diese Tätigkeit lockert außerdem die gemeinsame Arbeit auf und dokumentiert oft die künstlerische Begabung ihres Schöpfers eindrucksvoll.
Das Erfinden von Bildern und ihre Herstellung in Knetmodellen sollte im häuslichen Bereich fortgesetzt werden, bis die am häufigsten benutzten kleinen Worte auf diese Weise gemeistert sind.



bald: zeigt etwas, was in kurzer Zeit passieren wird oder schon passiert ist.
Zum Glück ist die Sportstundebald zu Ende!



Auf diese Weise lassen sich auch abstrakte Begriffe meistern:

Nomen: (Substantiv, Namenwort, Hauptwort, Dingwort): ist eine Wortart, mit der man Lebewesen, Dinge, Orte und abstrakte Sachen bezeichnet, und die mit den Artikeln der, die, das und ein, eine, ein verbunden werden können.

Der Junge und die Katze sind Lebewesen.
Tisch und Stuhl sind Dinge.
Mein Lieblingsplatz auf der Bank unter dem Baum ist ein Ort.
Die Idee, die der Multiplikation zugrunde liegt, ist eine abstrakte Sache.



Substantiv: Das Subjekt in einem Satz ist der Ausgangspunkt des Geschehens.
Peter wirft den Ball.
Peter ist das Subjekt, weil er derjenige ist, von dem das Geschehen ausgeht.