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Rechenschwäche – Dyskalkulie


Mein Kind hat Probleme im Fach Mathematik:

– es vergisst die Malfolgen
– vertauscht Plus und Minus
– verwechselt die Rechenschritte
– kann zu Hause geübte Rechenwege im Mathetest nicht mehr
– begreift die Textaufgaben nicht oder kann den gelesenen Text keiner Aufgabenstellung zuordnen
– ist mathematisch völlig unbegabt…



zählen: die Anzahl von etwas feststellen


Die Rechenschwäche ist ein weitaus häufiger auftretendes Problem als vermutet, und sie wird oft noch weniger erkannt als die Legasthenie.
Rechenschwäche (Dyskalkulie) – Legasthenie sind zwei scheinbar völlig unterschiedliche Phänomene. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten!
Die grundsätzlichen Ursachen für eine Rechenschwäche sind denen der Legasthenie sehr ähnlich. Nach den Forschungen von Ronald D. Davis ist eine zeitweise Verwirrung auch die Ursache für Rechenfehler oder das scheinbare Vergessen mühsam erlernter Rechenwege. Außerdem kennen die betroffenen Kinder oft die notwendigen Grundregeln nicht oder es fehlt ihnen ein Mengenvorstellungsvermögen.

Während die Rechtschreibung auf willkürlich festgelegten Regeln basiert, besitzt die Mathematik einen unumstößlichen Wahrheitsgehalt. Niemand wird je auf die Idee kommen, das Ergebnis von 2+2 anzuzweifeln, es wird auch zukünftig immer 4 sein!
Die Schreibweise von Worten hat sich dagegen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gewandelt: So wurde aus der Thür mit Th zu Goethes Zeiten die uns vertraute Schreibweise Tür – und bei der letzten Rechtschreibreform wurde die Schreibweise von Fluß mit ß neu festgelegt und nun wird der Fluss mit ss geschrieben. Während die Rechtschreibung der Konvention unterliegt, gelten in der Mathematik die Gesetze der Wahrheit.
Ihre Grundlagen sind unantastbar und die Aufgabenstellung wiederholt sich: Anhand von Bekanntem soll Unbekanntes ermittelt werden. Dafür werden immer zwei Informationen vorgegeben und eine dritte gesucht. Zum Lösen komplexer Aufgaben ist eine Vielzahl von Rechnungen notwendig, die darin verborgen sind.

(2a + 7) (3a + 4) – (7a – 3) (4a + 5) = ?
= -22a² + 6a + 43


1. Schritt: Auflösen der Klammern
2. Schritt: Klären der Vorzeichen
3. Schritt: Sortieren
4. Schritt: Zusammenfassen

Sie müssen nacheinander in der richtigen Reihenfolge und mit geeigneten Rechenwegen gelöst werden, um das richtige Ergebnis zu erzielen.

Soll nun ein Kind sicher und fehlerfrei rechnen können, so müssen die abstrakten Bilder der Ziffern mit vorstellbaren Mengen angefüllt werden.


Für jeden mathematischen Begriff muss ein klares Bild gefunden werden, um Verwirrung zu vermeiden.
Weiterhin müssen das Prinzip des Zehnersystems und der unserem Dezimalsystem zugrunde liegende Stellenwert als Grundlage des Rechensystems verstanden worden sein.


Ziffer: schriftliches Zeichen für eine Zahl


Rechnen erfordert ebenso eine Orientierung im Raum wie im Zahlenraum. Menschliche Grunderfahrungen sind die Voraussetzung für ein mathematisches Verständnis: So ist die Grundlage der Subtraktion das Wissen, dass die Menge kleiner wird, wenn ich etwas wegnehme. Die Regel beim Teilen ist, dass alle Teile gleich groß sein müssen…


ist gleich
Gleichheitszeichen:
Etwas ist gleich auf beiden Seiten.


Die Grundvoraussetzung für richtiges Rechnen ist eine sichere Orientierung im Zahlenraum, und diese erfordert ein bildhaftes Denkvermögen.
Legasthenische Kinder verfügen über die notwendigen Voraussetzungen, um ihre Schwierigkeiten durch ihr kreatives Potential zu lösen. Auch Kinder mit Rechenschwächen besitzen genügend Phantasie, um damit den Zahlenraum zu erobern und ihn mit Sicherheit zu beherrschen.

Zur Unterstützung gibt es auch hier die Pausenangebote zum Erleben von Körperkoordination, Geschicklichkeit und den besonderen kreativen Raumerfahrungen, z.B. beim eigenen Bauen von Türmen und Murmelbahnen.

Aber ebenso wie bei legasthenischen Kindern werden abstrakte Zeichen, in diesem Fall sind es die Ziffern oder Rechenzeichen, oft nur unzureichend oder gar nicht mit dem bildhaften Denken verbunden. Sie bleiben als leere Begriffe unverständlich, belasten wie Wackersteine das Gehirn und machen so den Zugang zum Rechnen unmöglich.

Welche Schritte sind notwendig, um eine Rechenschwäche zu beheben?

Rechnen lernen braucht Zeit, Ruhe und innere Sicherheit, und so ist auch in diesem Fall eine Intensivberatung besonders geeignet.
Auch zum Rechnen benötigt der Klient eine sichere Orientierung, die es ihm ermöglicht, Verwirrungen aufzulösen und Desorientierung zu beenden und die nötige Sicherheit in der eigenen Wahrnehmung zu finden. So werden die ersten Schritte der Beratungswoche die gleichen sein wie innerhalb einer Beratung für Kinder mit Rechtschreibproblemen.
In einem zweiten Schritt werden die mathematischen Grundbegriffe mit Hilfe von selbst gestalteten Bildern begreifbar gemacht, wie z.B. Reihenfolge oder Ordnung.


Ordnung bedeutet, dass Dinge am richtigen Platz, in der richtigen Lage und im richtigen Zustand sind


Ich lege meinen Pullover auf die Bank. Das ist für mich Ordnung!

Sind diese Grundlagen gelegt, so geht es daran, die Grundrechenarten neu zu erarbeiten. Hierfür wird aber ein anderes Zeitfenster benötigt als für die Vermittlung von Techniken zur Verbesserung der Rechtschreibung. Galt es während der Beratungswoche zur Legasthenie, Grundlagen zu erarbeiten, die danach zu Hause weiter trainiert werden müssen, so wird innerhalb der Beratung zur Behebung der Rechenschwäche das gesamte Gerüst mathematischer Grundrechenaufgaben bis zur vollständigen Beherrschung trainiert! – Ein solches Pensum ist innerhalb von einmalig 30 Wochenstunden nicht zu leisten.

Deshalb dauert eine Beratung zur Korrektur der Rechenschwäche ca. 8 – 10 Tage à 5 Stunden, also zwischen 40 und 50 Stunden je nach den individuellen Bedürfnissen der Klienten. Mit dem erworbenen Wissen und der neu gewonnenen Sicherheit sollte der Klient in der Lage sein, auch die schwierigsten Aufgaben im Bereich der Grundrechenarten zu lösen.


Faktor
nennt man die Mengen, die in einer Multiplikationsaufgabe mal genommen werden


Am Ende der Zeit wird der Anschluss an die momentanen konkreten Aufgabenstellungen des Schulunterrichtes geschaffen. Dazu kann auch das Erarbeiten spezieller mathematischer Begriffe gehören, wie sie in Textaufgaben Verwendung finden. Mit dieser Basis wird das Kind bzw. der Jugendliche auch zukünftig die Aufgabenstellungen in der Schule besser umsetzen können.
Die Ursachen für die Rechenschwäche sind denen der Legasthenie vergleichbar und der Weg zu ihrer Behebung hat denselben Grundansatz, deshalb bezeichnet Ronald D. Davis die Dyskalkulie als einen Teilbereich der Legasthenie. So gilt auch der gleiche Ausblick für beide Lernblockaden:
„Legasthenie ist kein schwerer Mangel, sie ist Teil eines Talentes!“

Rechenschwäche (Dyskalkulie) ist korrigierbar und kann durch die Begabung der Phantasie und geeignete Trainingsschritte überwunden werden!